13. Tutzinger Palliativtag mit Symposium und Gesundheitsforum

Samstag, 9. November 2019

Veranstaltungsort: Evangelische Akademie im Tutzinger Schloss
Schloßstr. 2+4
82327 Tutzing

Das Programm können Sie hier downloaden!

Tutzinger Palliativgespräche

20. Februar 2019 / 26. Juni 2019 / 23. Oktober 2019

Vorträge 2019

Trauer - keine Lust zu tanzen? (Erich Lehner)>>

Fatigue - zu schwach zum tanzen (Birgitt van Oorschot)>>

Symptome doe aus der Reihe tanzen (Dr. rer. nat. Kirsten Dahse & Sr. Dr. med. UllaMariam Hoffmann)>>

Durch Bewegung - ins Leben tanzen (Rainer Simader)

Palliativtag 2018

Tutzinger Palliativtag

12. Palliativtag in Tutzing: „Zwischen dableiben und davonlaufen“

„Das Wetter ist passend“, begrüßte Prof. Dr. Rainer Freynhagen, Chefarzt u.a. der Palliativmedizin am Benedictus Krankenhaus Tutzing, die über 120 geladenen Experten des 12. Palliativtages in der Evangelischen Akademie Tutzing. Es nieselte und der Himmel war bewölkt. Dennoch wurde es trotz des schwierigen Themas auch eine launige Konferenz mit hochkarätigen Referenten rund um Palliativmedizin und Sterbebegleitung.

„Zwischen dableiben und davonlaufen“ war das große Thema und Dr. Iris Liwowsky, leitende Psychologin des Tutzinger Schmerzzentrums, hielt gleich zu Beginn einen Vortrag über das „Dableiben“. Dabei gab sie eine praktische Anleitung für Ärzte, Pfleger und Therapeuten in der Palliativmedizin und resümierte, dass „Lachen mit Patienten und im Team auch in der Sterbebegleitung legitim ist“. Aber sie warnte auch die Kollegen davor, „dass Menschen in helfenden Berufen die Tendenz haben, sich zu vernachlässigen und die Bedürfnisse anderer wichtiger zu nehmen.“ Dabei ginge es auch ums Nein-Sagen. „Man muss seine eigenen Grenzen kennen und diese verteidigen, um in Balance zu bleiben.“

Ausgesprochen bayrisch-launig ging es bei Dr. Ulrich Krüninger zu, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Geschäftsführer des Hospiz St. Ursula in Niederalteich. Er referierte rund um das Thema „Delir“, also dem Verwirrtheitszustand von Menschen, oft eine Art des „inneren avonlaufens“. Die Problematik von Delir-Patienten ist, dass sie „unter einem gestörten Zurechtfinden in Raum und Zeit“ leiden. Das tritt vor allem in der Palliativmedizin und in Pflegeheimen auf, aber auch nach Operationen auf der Intensivstation oder im Verlauf einer schweren Erkrankung. Dabei ging er auf nichtmedikamentöse und medikamentöse Therapiestrategien ein. Er warnte erstmal scherzhaft vor der Einnahme des vielgepriesenen Ginkos. Dem Fachpublikum empfahl er zunächst, die Therapien ohne Gabe von Medikamenten voll auszuschöpfen. Dazu gehöre, „eine vertrauensvolle und ruhigere Umgebung zu schaffen. Mit Nachtbeleuchtung und Hintergrundmusik kann man das schon schaffen, Delir-Patienten zu beruhigen.

Krüninger, ein erfahrener Gutachter in der Beurteilung freiheitsentziehender Maßnahmen bei Patienten z.B. in der Pflege führte aus, „dass es oftmals bereits reicht, statt Gurte oder Bettgitter zu nutzen, das Bett runter zu stellen und mit einer Matratze abzusichern, um die Patienten vor Unfällen zu schützen,“. Glücklicherweise sind die Fälle, in den Menschen ans Bett gebunden werden müssen, stark zurückgegangen und Alternativen entwickelt worden, verwirrte Menschen vor allem nachts besser zu schützen.“

Missionarsschwester im Orden der Benediktinerinnen und Oberärztin der Palliativstation am Krankenhaus Tutzing, Dr. UllaMariam Hofmann, nahm sich ein sehr schweres Thema vor: „Tumorblutung: wenn das Leben davonläuft“. Mit viel Erfahrung, Feingefühl und Wissen hielt sie ihren Vortrag rund um dieses herausfordernde Problem. Studien dazu gibt es nur ganz wenige, daher informierte sie die anwesenden Experten vor allem ganz praxisnah aus dem großen Repertoire ihrer eigenen langjährigen Behandlungserfahrungen.

Den wissenschaftlichen Teil des Tages beendete Martina Kern, eine der ersten Palliativ Care-Krankenschwestern in unserem Land. Als „Urgestein und Pionierin der deutschen Palliativmedizin“, stellte sie Freynhagen mit einem Augenzwinkern vor. Sie war extra aus Bonn angereist, wo sie bereits 1993 die erste Palliativstation Deutschlands mit aufgebaut hatte. Erst im September wurde sie für ihr großes Engagement zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ernannt.

Sie diskutierte über „eine Herausforderung zu bleiben“ und wandte sich den oftmals tabuisierten Gefühlen von Scham und Ekel zu. “Solche Empfindungen sind existenzielle Gefühle und sie begegnen uns bei der Versorgung von Patienten immer wieder als ständige Begleiter einer Erkrankung“. Dabei gab sie dann ganz praktische Tipps, wie man am besten mit solchen belastenden Situationen umgehen sollte und warb dabei vor allem für Offenheit gegenüber den Patienten, „denn die sind meist sehr sensibel und hören das Gras wachsen“.

Öffentliches Gesundheitsforum rund um die Patientenverfügung

Im anschließenden Patientenforum ging es um das Thema Patientenverfügung. Der große Musiksaal in der Evangelischen Akademie war völlig überfüllt und musste für die über 200 Interessierten gar nachbestuhlt werden.

Nach der Vorstellung eines praktischen Leitfadens für das Ausfüllen einer Patientenverfügung durch Dr. Ulla Mariam Hofmann kam es zu einer angeregten Diskussion, durch die Prof. Freynhagen führte. Dr. Hoffmann machte dabei den Anwesenden noch einmal klar, wie wichtig und sinnvoll eine Patientenverfügung ist, unabhängig vom  Alter. „Als ich vor Jahren eines nachts von Starnberg nach Tutzing fuhr, kam mir auf meiner Spur ein Auto entgegen. Es ist noch einmal gutgegangen, es zeigt aber, wie schnell es gehen kann“. Und sie führte weiter aus, dass man eine Patientenverfügung unbedingt mit seinen nächsten Angehörigen oder wichtigsten Freunden besprechen sollte. „Reden ist unendlich wichtig, jedoch gelten am Ende nur die schriftlich in der Patientenverfügung hinterlegten Wünsche“.

Die angeregte Diskussion und die vielen Fragen zeigten das große Interesse rund um dieses wichtige Thema. Das Schlusswort von Prof. Freynhagen brachte es gut auf den Punkt: „Palliativmedizin ist noch eine ganz junge Pflanze und der Informationsbedarf zu vielen Themen groß. Heute haben alle die hier waren wieder einiges an zusätzlicher Aufklärung mitnehmen können und damit hoffentlich einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan“.

Übrigens: Schwester Dr. UllaMariam Hoffmann reiste unmittelbar nach dem Kongress nach Tansania, wo sie für vier Wochen als Ärztin für die klinikeigene Artemd Stiftung tätig sein wird.

Sorgten für musikalische Untermalung mit "Klezmer Musik". Das Duo Ignatio:

Vorträge 2018
Kontakt

Für Rückfragen und Auskünfte rund um den Palliativtag steht Ihnen Oberärztin Dr. UllaMariam Hoffmann gerne zur Verfügung.

Sr. Dr. Ulla Mariam Hoffmann, OSB

Oberärztin und Leiterin der Palliativstation

Tel:
(08158) 23 106
Fax:
(08158) 23 377