Die Leitung übernimmt der erfahrene Schmerzexperte Dr. Björn Carsten Schultheis, der als neuer Chefarzt nach über 20 Jahren klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit im Bereich der interventionellen Schmerzmedizin nach Kempen kommt.
Chronische Nervenschmerzen gehören zu den komplexesten Schmerzformen und entstehen häufig durch Schädigungen oder Fehlfunktionen des Nervensystems. Sie äußern sich in brennenden, stechenden oder elektrisierenden Empfindungen und beeinträchtigen das tägliche Leben der Betroffenen erheblich. Das neue Zentrum bietet mit moderner elektrischer und pharmakologischer Neuromodulation hochwirksame Therapieoptionen, die Schmerzen deutlich reduzieren, Medikamentennebenwirkungen mindern und langfristig die Lebensqualität verbessern können.
Neben der Schmerzbehandlung wird die Neuromodulation im neuen Zentrum auch zur Therapie von Harn- und Stuhlinkontinenz eingesetzt. Durch gezielte elektrische Stimulation der Nerven, die Blase, Darm und Beckenboden steuern, kann das Zusammenspiel von Nerven und Muskulatur nachhaltig verbessert werden. Die Methode gilt als sicher, gut verträglich und reversibel – und eröffnet Betroffenen neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben.
Als gebürtiger Aachener studierte Dr. Schultheis Humanmedizin an der RWTH Aachen und promovierte im Bereich der biomechanischen Schmerzforschung. Nach Stationen in der Unfallchirurgie und Anästhesiologie – unter anderem am Universitätsklinikum Düsseldorf – entwickelte er früh ein besonderes Interesse für die Schmerztherapie und Neuromodulation. Mehrere berufliche Jahre an der Universitätsklinik Teneriffa prägten seine fachliche Expertise.
Seit seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2014 widmete er sich intensiv dem Aufbau und der Weiterentwicklung der interventionellen Schmerztherapie. Zuletzt leitete er erfolgreich die Abteilung für interventionelle Schmerztherapie am Krankenhaus Neuwerk.
„Dass erstmals eine eigenständige Abteilung für Neuromodulation ausgeschrieben wurde, ist ein starkes Signal“, betont der 55-jährige Chefarzt. „Die Rahmenbedingungen am Hospital zum Heiligen Geist sind hervorragend: eine etablierte Schmerztherapie, renommierte Wirbelsäulenchirurgie, Urologie und ein überregional anerkanntes Beckenbodenzentrum, ergänzt durch eine exzellente Orthopädie, Allgemeinchirurgie, Kardiologie und Neurologie. Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen eine Abteilung aufzubauen, die Patienten mit chronischen Schmerzen umfassend und auf höchstem Niveau unterstützt.“
Die Neuromodulation erfordert eine enge Kooperation mit den Bereichen Anästhesiologie, Intensivmedizin, Neurologie und Chirurgie. „Bei komplexen Implantationen – etwa von Medikamentenpumpen – ist die Expertise der Anästhesiologie essenziell. Darüber hinaus profitieren unsere Patientinnen und Patienten von der hervorragenden Notaufnahme und Intensivmedizin im Haus“, so Schultheis.
Der dreifache Familienvater sieht in der Neuromodulation einen entscheidenden Meilenstein der modernen Medizin: „Sie wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen – sowohl bei chronischen Schmerzen als auch bei Inkontinenzerkrankungen. Zudem wird die interventionelle Schmerztherapie eine immer wichtigere diagnostische und therapeutische Ergänzung zur klassischen Schmerzmedizin darstellen.“
Ab dem 01.01.2026 bietet das Zentrum jeden Donnerstag eine Spezialsprechstunde für Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren chronischen Nervenschmerzen oder Durchblutungsstörungen an, die auf konventionelle Therapien nicht ausreichend ansprechen.
Auch die Geschäftsführung freut sich über den Neuzugang: „Mit dem neuen Zentrum für Neuromodulation setzt das Hospital zum Heiligen Geist ein deutliches Zeichen für Innovation, Kompetenz und ein erweitertes Versorgungsangebot am Niederrhein – und baut seine überregionale Bedeutung weiter aus“, erklärt Geschäftsführerin Maria Henk.
